AKTIVE DEMUT

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Hi du!

Wenn wir Hunde uns einem anderen Lebewesen bis zum Direktkontakt annähern möchten, dann zeigen wir – sofern wir an einem netten Kontakt interessiert sind – eine Reihe von freundlichen Signalen. So zeigen wir dem Anderen, dass von uns keine Gefahr ausgeht.
Dabei gibt es natürlich Unterschiede von Begegnung zu Begegnung. Diese Unterschiede sind abhängig davon:
- wie gut oder weniger gut wir das Gegenüber kennen und einschätzen können,
- ob wir mit Gegenwehr rechnen,
- ob eine Ressource mit im Spiel ist,
- was wir im Vorfeld in solchen Situationen gelernt haben,
- wie selbstbewusst wir in solchen Begegnungen sind.

All diese Kriterien entscheiden letztendlich darüber, wie deutlich der einzelne Hund in seiner Körpersprache wird.

Sicherlich hast du auch schon mal einen Hund gesehen, der sich wie der Hund auf der Zeichnung an jemanden annähert. Vielleicht hast du sogar selbst so einen, der das regelmäßig macht. Dieses Verhalten nennt ihr Menschen in „Fachkreisen“ aktive Demut.
Dabei siehst du oft folgende körpersprachliche Details, die – wie immer – natürlich je nach Hund variieren können:

  • Der Kopf wird von unten kommend dem Gegenüber angenähert.
  • Der Fang ist oft geschlossen und die Mundwinkel weit nach hinten gezogen.
  • Mit der Zunge wird versucht, dem Gegenüber die Mundwinkel zu lecken.
  • Die Augen sind schlitzförmig und die Ohren nach hinten angelegt.
  • Der Körper ist sehr kurvig mit sehr viel Bewegung.
  • Die Rute wird tief getragen und es wird schnell gewedelt.
  • Die Vorderläufe sind oft eingeknickt.

Diese Annäherungen sind in der Regel durch eine hohe Bewegungsintensität gekennzeichnet, die deutlich macht, dass da mehr oder weniger viel Aufregung mit im Spiel ist.
Siehst du so ein Verhalten z.B. in einer Hundebegegnung, ist das zunächst einmal ein Zeichen dafür, dass der Hund anscheinend das Gegenüber davon überzeugen will, dass von ihm keine Gefahr ausgeht. Ganz ausführlich hat Gerrit Stephan das hier bereits erklärt:
Aktive und passive Demut

Locke hat mir erzählt, dass er dieses Verhalten seit einiger Zeit bei Begrüßungen von Menschen zeigt. Ausschlaggebend war dafür ein Erlebnis, wo er zu einem Menschen hingerannt ist, um den zu begrüßen und dieser ihm dann irgendwie doof ans Ohr gepackt hat und Locke das weh tat.
Seitdem zeigt er lieber schon im Vorfeld wie „nett“ er ist und dass es keinen Grund gibt, ihm irgendwie weh zu tun.
Natürlich ist er dadurch nun in Menschensituationen aufgeregter, springt auch oft mal an Menschen hoch, um dessen Mundwinkel zu erreichen und diese damit noch weiter zu beschwichtigen.

Bei Locke wird also durch die aktive Demut deutlich, dass er sich in einem Konflikt befindet. Zum einen möchte er gerne weiterhin zu den Menschen hin und „hallo“ sagen, zum anderen hat er aber auch Schiss, dass ihm der Mensch wieder weh tut. Und so kommt es zu diesem Verhalten.

Je nach Stärke des Konfliktes kann die Aufregung so groß sein, dass der Hund eigenständig nicht mehr aus dem Verhalten findet. Und das kann ihn dann echt in eine Zwickmühle führen, weil das Gegenüber oftmals unwirsch auf die so extreme Annäherung reagiert. So mögt ihr Menschen es nicht, wenn man euch anspringt und werdet brummig und wir Hunde mögen es oft auch nicht, wenn uns jemand so extrem auf die Pelle rückt, distanzlos ist und reagieren womöglich mit Drohverhalten. Das wiederum bewirkt aber, dass der Hund immer doller Signale aus der aktiven Demut zeigt. Ein Teufelskreis sozusagen!

Hier nun kommst du als Mensch ins Spiel! Hilf in solchen Situationen allen Beteiligten, versuche die Situation ein bisschen zu entspannen und den Hund, der gerade aktive Demut zeigt, abzurufen. Außerdem macht es Sinn, wenn es dein Hund ist, dass du dir die Situationen einmal genauer anschaust und ggf. an den sozialen Unsicherheiten deines Hundes trainierst. Denn das ist es, was letztendlich hinter diesem Verhalten steckt.

Ich hoffe, ich konnte dir die aktive Demut etwas näherbringen!
Ich sage TSCHAUI – bis zum nächsten Mal!

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