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Hi DU!

Heute dreht sich mal alles um die Ohren. Als Erstes möchte ich natürlich erwähnen, dass die Ohren von uns Hunden auch dazu genutzt werden, um akustische Reize wahrzunehmen. Wir können dann die Ohren nach dem Geräusch ausrichten, daran liest du dann natürlich keine Stimmung ab, sondern du siehst einfach nur eine Orientierungsbewegung zum Geräusch hin.

Ansonsten hast du über unsere Ohren aber schon einen ganz guten Indikator, wie es uns geht. Sie sind meist gut zu beobachten und auch bei Schlappohren kannst du eine Menge sehen. Da guckst du auf die Ohrenbasis/Ohrmuschel und wie die sich bewegt. Mit ein bisschen Übung siehst du da ganz schnell auch alle Bewegungen und Tendenzen.

Wie immer bei der Körpersprache und der Interpretation dazu, ist es wichtig, dass du die Gesamtsituation, die rassebedingte Ohrenhaltung und auch die anderen Körperteile mit einbeziehst. Ein Ohr allein macht noch keinen ängstlichen Hund!

Aber es gibt dir mögliche Tendenzen für kommendes Verhalten und für die Stimmung deines Hundes vor. Gehen die Ohren bei uns Hunden nach vorne, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass wir als nächsten Schritt auch nach vorne gehen und genauso andersrum. Du kannst aber auch an unseren Ohren ablesen, ob wir gerade freundlich oder unfreundlich auf einen anderen Hund zugehen.

Ich hab euch hier mal aufgelistet, was dir die verschiedenen Ohren-Stellungen verraten können:

Nach vorne/oben:

  • Wenn wir mit Artgenossen interagieren, dann möchten wir Selbstsicherheit demonstrieren. Wir imponieren oder drohen sogar mit der Ohrenstellung unserem Gegenüber. Ob wir wirklich Selbstsicher sind, drückt die Ohrenstellung aber nicht aus. Manchmal wollen wir einfach nur, dass der andere Hund nicht näher kommt und stoppen ihn damit. Wenn wir wirklich ernsthaft drohen, dann siehst du in der Regel auch noch weitere Körperteile, die dies klar ausdrücken (angehobene Rute, direkter Blick,…)
  • Wir haben aber unsere Ohren auch vorne/oben, wenn wir neugierig auf was sind.
  • Wir lauern mit der Ohrenhaltung Beute auf – ich denke, das hast du bei deinem Hund auch schon mal gesehen, wenn er z. B. über einem Mauseloch steht und kurz vorm Sprung ist.
  • Beim Auflauern kann man dann oft auch die Vorderkörpertiefstellung beobachten, die dann keine Spielaufforderung darstellt. In dem Fall siehst du uns mit abgesenkten Vorderkörper, unsere Vorderbeine sind parallel ausgerichtet, unser Körper zeigt direkt in gerader Linie auf den Auslöser, wir fixieren mit unserem Blick und die Rute ist oberhalb der Rückenlinie.

Zusammenfassend kann man sagen, wenn wir unsere Ohren nach vorne/oben haben, dann ist die Tendenz von uns für die nächste Bewegung nach vorne (natürlich müssen hier wieder die anderen Körperteile mit einbezogen werden). Wir wünschen uns eine Distanzverringerung (beim Auflauern von Beute), bei der Annäherung an Artgenossen, möchten wir diese Distanzverringerung, um den anderen vertreiben zu können. Der Ursprung ist also hier eigentlich der Wunsch nach mehr Abstand.

Neutrale Stellung/ mittig am Kopf oder leicht nach vorne, neutrale Höhe:

  • Alles Tutti, wir laufen entspannt durchs Leben.

Nach hinten/oben:

  • Diese Ohrenstellung deutet bei uns Hunden auf Stress hin. Dabei siehst du dann auch häufig ruckartige Bewegungen an den Ohren.

Nach hinten/unten:

  • Wir tragen unsere Ohren bei einer freundlichen Annäherung an einen Artgenossen gerne hinten/unten, weil das als freundliche Geste gezählt wird. Da siehst du dann aber auch noch andere freundliche Elemente in der Annäherung, wie z. B. kein direktes drauf zulaufen, nur kurze Blickkontakte usw..
  • Wenn wir die Ohren vollständig angelegt haben, dann ist das als submissive/unterwürfige Verhaltensweise zu deuten.
  • Wir haben unsere Ohren aber auch hinten/unten, wenn wir ängstlich sind. Dabei siehst du dann oft einen fest verschlossenen Fang und einen abgesenkten Kopf.

Nach hinten/neutrale Höhe:

  • Diese Ohrenstellung zeigen wir gerne bei einer Spielaufforderung an einen anderen Hund. Dabei siehst du dann in der Regel einen abgesenkten Vorderkörper, gespreizte Vorderbeine, Mundwinkel nach hinten gezogen, Kopf und Blick abgewendet vom Spielpartner.
  • Wir ziehen die Ohren aber auch nach hinten, wenn wir in der Interaktion mit einem Artgenossen, auf einmal merken, dass der sich vielleicht wehrt. Oder wenn wir in die Selbstverteidigung gezwungen werden und angreifen müssen, weil wir uns nicht mehr anders zu helfen wissen.

Zusammenfassend kannst du dir merken: Wenn unsere Ohren nach hinten gehen, dann ist auch die Wahrscheinlichkeit für unsere nächste Bewegung eher nach hinten. Wir wünschen uns in den meisten Fällen eine Distanzvergrößerung – also mehr Abstand zum Auslöser.

So, das war jetzt ne ganze Menge Input, oder? Hättest du gedacht, dass Ohren so viel aussagen können? Ich hoffe, du hast alles verstehen können. Ist gerade zu Anfang oft nicht leicht. Aber wichtig ist eigentlich nur, dass du Spaß am näheren Hingucken bekommst und beim Interpretieren deinem Hund keine bösartigen Sachen/ Gedanken / Emotionen unterstellst. Ich wünsche dir viel Spaß beim Ohren-Gucken!

Ich sag bis zum nächsten Mal! Tschaui!