FREILAUFENDER HUND TRIFFT ANGELEINTEN

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Hundebegegnungen—eine ganz persönliche Ansicht

Mein Hund Knicka hat Probleme mit anderen Hunden. Nein, er bellt nicht, er rastet nicht aus—er ist in den meisten Fällen still, schaut aus seinen kugelrunden Augen auf den näher kommenden Hund und bewegt sich keinen Millimeter.

Angespannt, den entgegenkommenden Hund im Auge

Was für viele Außenstehende total niedlich und lieb aussieht, ist für meinen Hund der pure Stress. Kommt ihm ein Hund zu nahe, dann ist er handlungsunfähig. Er friert ein und kann sich weder vor noch zurückbewegen. Sein Gehirn nimmt den anderen Hund als Bedrohung wahr und kann sich nicht entscheiden, ob es nun das Signal zum Flüchten oder Angreifen geben soll. Das ist ein richtig mieses Gefühl und im inneren des kleinen Pudels spielt sich richtig viel ab. Da werden Hormone und Co. ausgeschüttet, die noch lange Zeit nachwirken und ihn z. T. Tagelang beeinträchtigen. Nach so einem Vorfall liegen seine Nerven oft blank, er reagiert mit Magenschmerzen, Übergeben und Futterverweigerung.

Wir haben viel daran trainiert und ja, es wird immer besser, er kann sich in den meisten Fällen abwenden und weggehen. Er ist also wieder handlungsfähig in den Situationen. Er hat gelernt, dass er nicht in Kontakt mit dem anderen Hund treten muss, wenn er nicht will und ich sorge in der Regel dafür, dass dann auch wirklich kein Hund an ihn ran kommt.

Wir gehen fast nur in Gebieten, wo Anleinpflicht besteht. Frei laufende Hunde sind für Knicka noch mal eine Spur gruseliger, weil sie einfach unkontrolliert sind und oftmals dann halt doch ran kommen.

Hechelnd zuhause nach einer anstrengenden Runde

Leider passiert es aber in diesen Leinenpflicht-Gebieten doch immer wieder, dass Leute ihre Hunde dort frei laufen lassen. Hey, ist für mich absolut kein Problem. Aber sobald man einen angeleinten Hund sieht, dann nimmt man seinen doch an die Leine, oder? Sollte man meinen, ist aber leider nicht so.

Hey Leute, ich freu mich für euch, dass ihr so unkomplizierte Hunde habt, die zu jedem Hund hin möchten und das alles super meistern. Ich hab so einen Hund nicht! Ich meide aufgrund dessen die typischen Auslaufgebiete und das finde ich auch nicht schlimm. Aber bitte lasst mir doch die wenigen Stellen, wo ich entspannt mit meinem Hund rumlaufen kann. Nehmt doch einfach Rücksicht, und zwar ohne, dass ihr auch noch beleidigt seid, wenn ich was sage.
Und nein, mein Hund ist nicht so, weil ich grundsätzlich alles falsch gemacht habe. Knicka ist von Anfang an eher der Hund gewesen, der sorgenvoll durchs Leben geht. Der Angst hat, was auf den Deckel zu bekommen. Der Angst hat, dass ihm etwas passiert. Und nein, er wurde nicht schlecht sozialisiert von mir und nein, ich hab nicht grundsätzlich alle Hundebegegnungen vermieden.

Entspannung ist Pflicht nach anstrengenden Begegnungen

Er ist so, wie er ist und für mich ist er der weltbeste Hund! Der Alltag ist mit ihm oft anstrengend, weil ich sehr auf Entspannung achten muss und schauen muss, dass ihm der Alltag nicht zu viel wird. Wir mögen nette Hundebegegnungen, aber nicht ungefragt! Und wir sind übrigens nicht alleine. Es gibt noch mehr Hundehalter, wo die Hunde nicht jeden fremden Hund begrüßen möchten oder die Kontakt an der Leine nicht aushalten, aber aus irgendwelchen Gründen halt nicht von der Leine können.

Bitte denkt da einfach mal drüber nach, wenn ihr das nächste Mal auf einen angeleinten Hund trefft.

Autorin: Christiane Jacobs