Wenn dein Hund nicht frisst, was du ihm vorsetzt

Gestern war ich mit Knicka beim Tierarzt. Wieder mal eine sehr aufwendige Untersuchung mit OP – um rauszufinden, warum der kleine Kerl so schlecht frisst.
Von klein auf hat er Probleme damit und bisher haben wir die Ursache nicht gefunden.

Ich komme mit meinem gerade wachgewordenen Knicka auf dem Arm aus der Praxis zum Parkplatz. Dort warten links und rechts neben meinem Auto Hundebesitzer und sind im „Smalltalk“. Links höre ich „Und dann haben wir endlich ein Futter gefunden, was ihm scheinbar schmeckt. Kaufen es und dann frisst er es wieder nicht!“
Rechts antwortet: „Die führen uns so vor! Die wissen genau, wie sie uns austricksen und meinen lasse ich sowas nicht durchgehen!“

Ich weiß nicht, wie oft ich Futter gekauft habe, was dem Knicka scheinbar schmeckte und wie oft er es dann letztendlich doch nicht mehr gefressen hat. Ich habe mich sein ganzes Leben damit beschäftigt, woran das liegen mag und wie ich ihm helfen kann. Klar war da auch immer die Sorge, dass ich ihn verwöhne, er mir auf der Nase rumtanzt und mich austrickst, um möglichst das Beste für sich rauszuholen.
Aber ich finde, so einfach dürfen wir es uns nicht machen! Das die Hunde uns austricksen ist eine Möglichkeit – aber ich habe weitere durchaus schlüssige Möglichkeiten 😉 !

Es ist bei Knicka schon immer so, dass er einige Futtersorten eine Weile frisst und dann von heute auf morgen das Futter verweigert. Manchmal nach nur wenigen Tagen, manchmal nach vielen Wochen. Manchmal frisst er es irgendwann wieder, meist aber nicht.
Heute weiß ich, dass es auch bei unseren Hunden das Geschmacksvermeidelernen gibt. Das bedeutet, der Hund frisst ein Futter, bekommt davon z.B. Bauchweh, merkt also, dass ihm das Futter nicht bekommt und somit frisst er es nicht mehr. Sinnvoll, oder?

Ich denke, die Hundebesitzer, die hier mitlesen und deren Hunde auch schlecht fressen – sozusagen „mäkelig“ sind, die wissen, was für Sorgen man sich macht. Und klar zaubert man dann immer wieder mal ganz besonders tolle Leckerchen hervor, damit der Hund überhaupt was frisst.
Ich weiß nicht, wie oft mir unterstellt wurde, dass ich meinem Hund damit beibringe, dass er schlichtweg einfach nur sein schnödes Futter verweigern muss, damit er was Besseres (ich nenne es gerne Fastfood) bekommt.

Und wie immer, hinterfrage ich solche Dinge und gucke genau hin. Beobachte meinen Knicka und sein Fressverhalten. Ich habe ihm im Laufe der Zeit beigebracht, mir anzuzeigen, was er gerne fressen möchte. Dafür habe ich Futter an verschiedene Stellen im Haus gelagert und er kann mir zeigen, was er möchte. Ja, er wählt „Fastfood“, aber genauso oft wählt er auch hochwertiges Futter bzw. ein Mittelding aus Beidem.
Dafür habe ich zwei Interpretationen: Die eine, er hat in dem Moment Magenprobleme und weiß am besten, was ihm dann guttut. Die zweite, ihm ist auch einfach nach Abwechslung!
Unsere Hunde haben zwar einen anderen Geschmacks- und Riechsinn als wir Menschen, aber trotzdem schmecken/riechen sie doch die Unterschiede und mögen verschiedene Dinge lieber als andere. Warum sollten sie jeden Tag immer und immer wieder dasselbe fressen wollen?

Und dann gibt es noch einen weiteren Punkt, den ich im Bezug zum Fressen total spannend finde. Während meiner Ausbildung habe ich erfahren, dass man vermutet, dass es bei Hunden – ähnlich wie bei uns Menschen – einen Zusammenhang zwischen Stress und Verlangen nach „reichhaltigerem“ Essen gibt. Kennst du vielleicht auch? Du hast Stress und brauchst dann unbedingt ein Stück Schokolade. Nur bei unseren Hunden ist die Möglichkeit der freien Futterwahl oft sehr eingeschränkt, weil wir das Futter verwalten.

Auch diesen Punkt habe ich wieder bei Knicka beobachtet und ja, ich habe genau die Beobachtung gemacht. Wenn er stressige Situationen hat, dann nimmt er Futter von mir an, wo er sonst keins nimmt. Biete ich ihm keins an, dann zeigt er mir sogar, dass er was haben möchte – geht dazu an bestimmte Stellen, wo wir immer Futterspiele machen oder stuppst mich auch mal freundlich an 🙂 .

Ich habe viel mit anderen Hundehaltern gesprochen, die mäkelige Hunde haben. Ganz viele von denen hatten in der Vergangenheit schon mal Probleme mit dem Magen oder Darm – oftmals auch Parasiten – wie z.B. Giardien. Und selbst, wenn nichts gefunden wird beim Tierarzt, wer garantiert uns, dass der Hund nicht trotzdem ab und an Bauchweh, Sodbrennen oder sonst was hat??

Meine Erfahrungen basieren hauptsächlich auf Beobachtungen, die ich bei meinem und auch anderen Hunden gemacht habe und auf Dinge, die ich im Rahmen meiner Ausbildung gelernt habe. Und ein Stückweit natürlich auch auf meinen gesunden Menschenverstand 😉 .

Und mal ganz ehrlich, wenn nur einer der Möglichkeiten, die ich aufgeführt habe, stimmt und unsere Hunde uns eben nicht vorführen, sondern etwas anderes dahintersteckt, wie unfair ist das unseren Hunden gegenüber zu behaupten, die führen uns vor?

Autor: Christiane Jacobs

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