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Hi du, ich hoffe, dir geht es gut und du hast Bock noch einen weiteren wichtigen Punkt in Bezug auf die Körpersprache mit mir durchzugehen!

Wenn du dir die Körpersprache von uns Hunden beguckst, dann gibt es eine Sache, die du ziemlich einfach beobachten kannst. Das ist die Ausrichtung unserer Körperachse. Wie wir auf einen anderen zugehen, sagt unglaublich viel aus!

Körpersprache Hund
Die Idee zu der Zeichnung stammt aus dem Skript Ausdrucksverhalten von Gerrit Stephan bei der ATN

Ein bisschen was möchte ich dir heute davon erzählen. Damit es etwas einfacher ist, hab ich dir die Zeichnung dazu gemacht. Auf Bild 1 siehst du, wie Locke sich einem anderen Hund frontal nähert. Das ist die konfliktreichste Annäherung, die es überhaupt gibt. Das liegt daran, dass frontal bedrohlich wirkt und es sehr schnell zu einem direkten Blickkontakt kommen kann – dazu hatte ich dir ja hier schon einiges geschrieben. 

Dieses frontal aufeinander zulaufen ist auch oft ein Problem, wenn wir Hunde bei euch Menschen an der Leine sind. Gerne möchten wir lieber einen Bogen laufen (freundliche Annäherung) aber ihr führt uns – oft im „Fuß“- quasi direkt aufeinander zu und es ist für uns dann verdammt schwer, freundlich zu bleiben.

Wenn du so eine frontale Annäherung bei zwei Hunden beobachtest, dann kannst du dir ziemlich sicher sein, dass da sehr viel Anspannung in beiden Hunden ist und die Chance, dass einer der beiden die Nerven verliert und austickt, echt groß ist.

Etwas besser ist es, wenn wir frontal versetzt aufeinander zu laufen (Bild 2). Immer noch schwer für ganz viele von uns, aber da hat man viel besser die Möglichkeit, den Blick abzuwenden und einfach mal ein bisschen am Wegesrand zu schnüffeln oder so. Wenn wir bei dieser Annäherung oft den Blick und Kopf abwenden, dann kommt das bei dem anderen meist als freundliche Geste an. Antwortet er mit den gleichen freundlichen Gesten, dann können wir schon recht sicher sein, dass die Begegnung entspannt ablaufen wird.

Finden wir den anderen bei der Annäherung sympathisch, dann kommen wir aus der frontal versetzten Annäherung auch gerne in die Antiparallele Ausrichtung (Bild 3) beim Zusammentreffen und beschnüffeln uns dann im Analbereich. Dadurch, dass wir dabei meist weiter gehen, entsteht dieses typische Kreiseln. Ich bin mir sicher, das hast du auch schon bei deinem Hund beobachtet. Wir drehen uns dann zig mal im Kreis beim Beschnüffeln.

Extrem einfach sind für uns Hunde meistens die Annäherungen von hinten. Also eine parallele Annäherung (Bild 4). Dabei kommt dann z. B. Locke von hinten in das Sichtfeld des anderen Hundes – das unser Sichtfeld größer ist als das von euch Menschen, hab ich dir ja hier schon erzählt. Diese Annäherung gilt als die Freundlichste überhaupt und birgt die wenigsten Konflikte für uns.

Natürlich musst du da schauen, ob beide Hunde entspannt sind. Der vorne läuft, darf nicht so vertieft in seine Umwelt sein, dass er sich vielleicht erschrickt, wenn der andere auf einmal auftaucht. Der von hinten kommt, sollte auch freundlich gestimmt sein und nicht vielleicht schon überlegen, ob er den Vorderen einfach mal jagen sollte. Das wäre dann alles andere als freundlich.

Dann gibt es noch zwei Varianten, der von euch so oft als T-Stellung benannten Anordnung. Dabei läuft der andere Hund vor Locke und bleibt quer vor ihm stehen (Bild 5). Dadurch blockiert er ihm den Weg. Die zweite Variante ist, dass Locke sich von der Seite her nähert und rechtwinklig an dem anderen Hund stehen bleibt (Bild 6). Dabei kommt es oft zu einem seitlichen Aufreiten. Das hat in dem Moment aber keinen sexuellen Hintergrund, sondern damit möchten wir meistens die Bewegung des anderen einschränken. Ich denke, du liest es schon heraus, die beiden Varianten sind nicht ganz so freundlich – aber wir müssen dem anderen ja auch irgendwie kommunizieren, wenn wir was nicht möchten.

Wie immer musst du beim Beobachten unserer Körperachsen natürlich auch den ganzen Rest von uns und unserer Umgebung im Auge behalten. Dieses Schema der Anordnungen gibt dir einen Anhaltspunkt, ist aber wie so oft beim Lesen der Körpersprache nicht in Stein gemeißelt. Auch hier sind die Lernerfahrungen vom einzelnen Hund, die Tagesstimmung, der Gesundheitszustand, die Umwelt und noch ganz viele andere Sachen, entscheidend für das Verhalten, was dann gezeigt wird.

So, ich hoffe, ich hab dir verständlich rüber bringen können, wie du unsere hündische Kommunikation im Zusammenhang mit unseren Körperachsen deuten kannst. Mit euch Menschen kommunizieren wir übrigens auch so! Wobei du es nicht als unfreundlich werten musst, wenn dein eigener Hund frontal auf dich zuläuft – das hat er meist von dir so beigebracht bekommen. Bei einem wildfremden Hund solltest du aber schon ein wenig acht geben, wenn der sehr frontal auf dich zuläuft und dir dabei womöglich noch in die Augen schaut. Der meint es dann sehr wahrscheinlich nicht ganz freundlich mit dir.

Ich sag mal bis bald und wünsche dir nun viel Spaß beim Beobachten unserer Körperachsen! Tschaui…