LERNEN AM MODELL

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Lernen am Modell wird auch Nachahmungs-, Imitations- oder Beobachtungslernen genannt.

Wie schon der Name sagt, lernt der Hund hierbei Verhaltensweisen, indem er einen anderen Hund beobachtet und dessen Verhalten nachahmt.
Hierbei kann es sich um ganz neue, aber auch um bereits vorhandene Verhaltensweisen handeln.

Beispiel für ein bereits vorhandenes Verhalten:

Ein junger Hund hat das Bedürfnis, einen fremden Menschen, der sich dem Grundstück nähert, zu verbellen. Da er sich seiner Sache aber nicht ganz sicher ist, beobachtet er die anderen Hunde, die sich zusammen mit ihm auf diesem Grundstück befinden. Als diese beginnen, den fremden Menschen zu verbellen, fängt auch der junge Hund zu bellen an.
Das beobachtete Verhalten der anderen Hunde löste das bei ihm bereits vorhandene Verhalten aus.

Beispiel für neue Verhaltensweisen:

Der junge Hund beobachtet einen anderen dabei wie dieser durch Hochspringen an der Tür und Herunterdrücken der Türklinke mit der Pfote eine Tür öffnet, um an das dahinter befindliche Futter zu gelangen. Der junge Hund speichert das beobachtete Verhalten ab und kann es bei Bedarf wieder abrufen, d.h. bei der nächsten Gelegenheit die Tür selber öffnen.

Allerdings wird ein Hund nur Verhalten, welches er beobachtet hat, ausführen, wenn es ihm sinnvoll erscheint. Befindet sich bspw. hinter der Tür kein Futter oder sonstige für den jungen Hund attraktive Dinge, wird er die Tür nicht selber öffnen.

Verhalten, die durch das Beobachten entstehen, müssen nicht sofort gezeigt werden, sondern können auf unbestimmte Zeit gespeichert werden ohne dass sie selbst ausgeführt wurden.

Dies ist vor allem im Zusammenhang mit dem Erlernen von Aggressionsverhalten durch Imitation/Nachahmung zu beobachten.
Ein Hund, der als Welpe/Junghund auf der Hundewiese immer wieder beobachtet wie sein Artgenosse einen weiteren Hund „verkloppt“ hat, kann durchaus später genau dieses Aggressionsverhalten an den Tag legen ohne dass es jemals zuvor zu direkten Auseinandersetzungen mit Artgenossen gekommen sein muss.

Ob ein beobachtetes Verhalten tatsächlich imitiert wird, hängt von zwei wichtigen Faktoren ab:

1. Das Modell ist aus Sicht des Beobachters als solches geeignet.
Je intensiver die Beziehung zwischen Modell und Beobachter, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten imitiert wird.
Hunde mit größerem Erfahrungsspektrum werden eher nachgeahmt als unerfahrene, junge Hunde.

2. Das beobachtete Verhalten muss zum Erfolg führen.
Wird das Modell für das Verhalten bestraft oder führt das Verhalten nicht zum gewünschten Erfolg, wird die Wahrscheinlichkeit des Nachahmens geringer.

Autorin: Dagmar Mariß – Hundeberatungszentrum Werdohl

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