Scheinträchtigkeit und Scheinmutterschaft

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Wenn sich deine Hündin nach der Läufigkeit in ihrem Verhalten anders zeigt, liegt das häufig an der hormonellen Veränderung, denn viele Hündinnen durchlaufen nach der „Hitze“ eine Scheinträchtigkeit.

Grundsätzlich ist eine Scheinträchtigkeit etwas ganz Normales.

Nach der Läufigkeit erleben fast alle Hündinnen eine Scheinträchtigkeit, die bei manchen Hündinnen nach zwei Monaten dann auch in eine Scheinmutterschaft übergehen kann.
Zwei Monate deshalb, weil die Tragzeit bei Hunden ca. 63 Tage beträgt.

Genau wie schwangere Frauen, haben (schein-)schwangere Hündinnen Stimmungsschwankungen, Fressanfälle oder aber auch Appetitlosigkeit.
Das ist insofern wichtig zu beachten, da man in dieser Zeit im Training einen Gang zurückschalten sollte. Den Stresslevel im Auge behalten muss und versuchen, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten, ohne dass viel Neues hinzukommt.

Gleichzeitig aber auch für genug Abwechslung sorgen, damit die Hündin sich nicht in ihren Zustand hineinsteigert. Ist eine Gratwanderung, aber mit spielerischer Kopfarbeit, Schnüffelspielen und gleichzeitig ausreichend Bewegung – natürlich nicht “auspowern” – ist es machbar. 

Nach diesen 2 Monaten folgt dann bei manchen Hunden die Scheinmutterschaft. Sie sind der Meinung, sie hätten Welpen, die beschützt und gesäugt werden müssen. 

Jetzt heißt es gesundheitlich aufpassen! 

Eine meiner Hündinnen neigt dazu, viel Milch zu produzieren. Dies ist erkennbar an einem vergrößerten Gesäuge. Bitte nicht durch Berührungen oder Druck kontrollieren, ob Milch da ist! Jede unnötige Berührung fördert die Milchproduktion.
Eventuell hilft es der Hündin, durch vorsichtiges Auflegen eines kalten Geschirrtuches, die Milchleiste etwas zu kühlen. Aber bitte nicht lange selbst dran rumdoktern. Es ist nur eine Erleichterung für den Hund, keine Behandlung!
Da die Milch ja nicht ge- bzw. verbraucht wird, kann es schnell zu einem Milchstau kommen, der wiederum zu Entzündungen und im schlimmsten Fall, zu einem Abszess führen kann!
Sollte es zu einer starken Milchproduktion kommen, ist ein Tierarzt nötig, der Medikamente gegen die Milchproduktion geben kann.

Außerdem kann es zu einer Gebärmutterentzündung kommen.
Hat der Hund Fieber (ab einer Körpertemperatur, die sich der 40° Marke nähert), trinkt er viel und wirkt lustlos und schlapp, sollten die Alarmglocken angehen! 
Fieber erkennst du bei deinem Hund an einer trockenen, warmen bis heißen Nase, die Zunge und alle nicht von Fell bedeckten Körperteile fühlen sich nicht nur warm, sondern fast schon heiß an.
Die Normaltemperatur beim Hund liegt bei 37,5 bis 39 Grad Celsius. Bei Welpen kann sie etwas höher sein. Ab 40 Grad spricht man von Fieber. Steigt die Körpertemperatur über 41 Grad, kann dies für den Hund lebensbedrohlich werden.

Auch Scheidenausfluss ist ein Indiz für eine Gebärmutterentzündung, muss aber nicht zwingend mit auftreten! Das ist aber eher, wenn überhaupt, bei älteren Hündinnen der Fall. Ich erwähne es nur der Vollständigkeit.

Der Spuk ist, wenn gesundheitliche Folgen ausbleiben, nach ca. 14 Tagen vorbei. Meist sogar schon früher. 
Du kannst deinen Hund unterstützen, indem du für ihn da bist. Oftmals wird dazu geraten, dem Hund alles wegzunehmen, was er als Ersatzwelpe ansehen kann, ihm das Nest, welches er sich eingerichtet hat, ebenfalls zu “verbieten”. 

Ich halte davon nicht viel, denn genau wie Angst, kann man diese Gefühle nicht unterdrücken oder “weg trainieren”. Aber auch hierbei kommt es ganz individuell auf den einzelnen Hund an, es gibt durchaus Hunde, die sich so dermaßen in ihre „Mutterrolle“ hineinsteigern, dass es sinnvoll sein kann, da vorsichtig gegenzuwirken.
Bei meinem Hund sorge ich für ausreichend Bewegung und Ablenkung. Alles, was ihr Spaß macht, ist erlaubt! 
Ansonsten darf sie in ihrem Nest liegen, darf die beiden anderen Hunde weg knurren, bzw.  sorge ich eh dafür, dass die anderen beiden Hunde sie in Ruhe lassen.

Wenn deine Hündin stark unter der Scheinmutterschaft leiden sollte, kannst du ihr vorbeugend helfen. Dazu gibst du ihr ab der Läufigkeit täglich einen TL Petersilie ins Futter.
Wie bei allen Futterzusätze ist hier aber auf die Verträglichkeit und auch die Futtertoleranz zu achten! Bitte nicht darauf bestehen, dass dein Hund das jetzt fressen muss, nur weil ich es hier empfohlen habe!
Außerdem kannst du ihr auch die Tagesration bis zum “Geburtstermin” etwas reduzieren (=63. Tag nach den Stehtagen), wenn sie keine gesundheitlichen Themen hat.

Psychisch kann man mit homöopathischen Mitteln unterstützen, die aber schon frühzeitig, während der Läufigkeit, begonnen werden sollten. Da fragst du am besten deinen Tierarzt oder eine Tierheilpraktikerin.

Nochmal:
Scheinträchtigkeit und -mutterschaft sind etwas ganz Natürliches.
Unterstütz deinen Hund soweit es geht und achtet auf gesundheitliche Veränderungen.

Autorin: Birgit Fey

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