Ich Chef – du NIX

Lass dir den Artikel vorlesen!

Immer wieder geistern Sprüche durch das Internet und die verschiedenen Hundeplattformen, in denen davor gewarnt wird, einem Hund bestimmte Dinge „durchgehen“ zu lassen, weil er die Rudelführung übernehmen möchte.

Sachen wie: „Hilfe, mein Hund fordert ständig meine Aufmerksamkeit!“ werden mit „Das musst du sofort unterbinden! Er will das Sagen haben!“ kommentiert. Ist euch eigentlich bewusst, dass diese „Alphatheorie“ aus Forschungen stammt, die an in Gefangenschaft lebenden Wölfen durchgeführt wurden?

Und, was von den Verfechtern dieser Theorie dezent verschwiegen wird, ist, dass der Forscher David Mech, der diese Theorie aufgestellt und in einem Buch veröffentlicht hat, diese schon lange widerrufen hat! Er stellte nämlich fest, dass das Verhalten, welches er beobachtet hatte, so in einem wildlebenden Rudel nie vorkommt!

Kein Hund will die Rudelführung übernehmen! Warum auch? Das ist eine Verantwortung, die kein einzelner Hund/Wolf übernehmen kann!

In einem Wolfsrudel ist es eher so, dass sich die Tiere die Aufgaben teilen. Der Eine ist besonders gut im Fährten lesen. Also hat er die Aufgabe, das Wild ausfindig zu machen. Ein anderer ist vielleicht besonders hellhörig und übernimmt den Schutz des Rudels. Wieder ein Anderer ist besonders stark und vertreibt deshalb potenzielle Feinde. Ein Wolfsrudel ist keine Hierarchie, sondern eine soziale Gemeinschaft!

Ach, da fällt mir noch ein schönes Beispiel ein, was gerne angeführt wird und jeglicher Grundlage entbehrt: es wird oft behauptet, der Hund hat hinter uns zu laufen, weil nur das Alphatier vorne laufen darf!

Das stimmt in einer einzigen Situation: wenn die Welpen noch sehr klein sind und anfangen, die Höhle mal zu verlassen. Ja, dann geht die Mutter vor und sichert erst einmal die Gegend, ob es gefahrlos für ihre Welpen ist, die Höhle für ein kurzes Spiel draußen in der Sonne, zu verlassen. Ansonsten lassen die alten Wölfe das Jungvolk sogar gerne vorweg gehen. Wie sollen diese denn sonst Erfahrungen sammeln? Hier kristallisieren sich dann auch langsam aber sicher die Fähigkeiten der Kleinen raus.

Und wo wir gerade so schön über das „Rudel“ sprechen. Es wird ja auch gerne behauptet, wir müssen der Rudelchef sein. Ein Rudel ist immer ein Familienverband. Alle Mitglieder eines Rudels sind miteinander verwandt! Die wenigsten von uns haben Hunde, die miteinander verwandt sind und schon gar nicht mit uns! Wie soll ich also ein „Rudelführer“ sein, wenn ich mit den Hunden, die mit mir zusammenleben, keinerlei verwandtschaftlichen Beziehungen habe?

Ein weiterer Punkt, der zu der Rudeltheorie passt, ist das Training über körperliche Maßregelungen. Die Verfechter dieser „Methode“ berufen sich gerne auf das Argument „Das machen Hunde unter sich doch auch so!“ Mag sein, dass dem so ist. Aber, Hunde sind Meister im Lesen der Körpersprache ihres Gegenübers. Sie sehen auch die kleinsten Anzeichen von Meideverhalten, also, wenn der „freche“ Hund zu verstehen gibt, dass er im Unrecht ist. Viele von uns können ja noch nicht einmal die deutlichen Zeichen lesen, wie wollen wir denn dann kleinste Zeichen lesen können und entsprechend reagieren, wie ein Hund es tun würde?

Aber, wir können lernen, die Körpersprache unserer Hunde besser zu verstehen! Und wenn wir uns damit beschäftigen, stellen wir fest, dass wir es gar nicht nötig haben, zu versuchen, uns wie ein Hund zu benehmen.

Autorin: Birgit Fey

Wer mehr über diese ganze Rudel- und Alphatiertheorie erfahren möchte, kann sich gerne hier und hier einlesen.
Auch die Kampagne #PositiveRocks hat sich mit dem Thema beschäftigt. Den Cartoon dazu findest du hier: Heute das Sofa – morgen die Weltherrschaft!